Diät

Anti-Aging: Kalorienreduktion als Wundermittel ?

Macht eine lebenslange Fasten-Diät wirklich jung ? /Bild: Fotolia
Anti-Aging: Kalorienreduktion als Wundermittel ?
Catharina Kaiser

Die Idee, dass Organismen durch eine scharfe Reduktion der Kalorienzufuhr länger und gesünder leben, ist ja nicht gerade neu. Dennoch wird in der Wissenschaft dieser Zusammenhang nach wie vor erforscht. Die Ergebnisse einiger Laboruntersuchungen deuten nun aber drauf hin, dass der Anti-Aging Effekt auch bei Menschen auftreten kann. Bislang wurden die Auswirkungen der so genannten CR nämlich nur an Ratten oder Nematoden (Fadenwürmern) getestet.

Drastische Kalorienreduktion

In der Praxis sieht es allerdings etwas anders aus. Denn die Kalorienzufuhr um satte 25-50 % zu reduzieren ist nicht jedermanns Sache. Immerhin soll man sich ja auch noch etwas gönnen dürfen und was nützt ein längeres Leben, wenn es nur noch aus strikten Diäten besteht? Hinzu kommt, dass die positiven Ergebnisse bei Ratten und Nematoden nicht zwangsläufig auch für den Menschen nützlich sein müssen. Forscher sehen die drastische Kalorienreduktion in diesem Fall nämlich als ein ziemlich gefährliches Risiko, da es Muskel- oder Knochendichteverlust verursachen könnte. Bis hier hin klingt es also noch nicht sehr vielversprechend. Doch den Ergebnissen zweier neuen Studien zufolge könnte die Anti-Aging Diät bald kein Wunschdenken, sondern tatsächlich Realität sein.

Anti-Aging bei Primaten

Einer im Nature Communications veröffentlichten Studie zufolge konnten bei Rhesusaffen einige gesundheitliche Vorteile der strikten Kalorienreduktion festgestellt werden. „Dabei handelt es sich um eine Primatenart die dem Menschen besonders ähnlich ist und auch dieselben Alterungsprozesse aufweist“, so die Forscher der University of Wisconsin-Madison und dem National Institute on Aging. Der untersuchte Affe war zum Zeitpunkt der Studie 16 Jahre alt, was bereits einem mittleren Alter beim Menschen entspricht. Durch eine Reduktion der Kalorienzufuhr um 30 % erreichte der Affe ein stolzes Alter von 43 Jahren, was ein absoluter Rekord ist. Umgerechnet auf Menschenjahre würde das etwa 130 Jahren entsprechen. Aufgrund der Ähnlichkeit der beiden Lebewesen, könnten die positiven Effekte einer chronischen CR also auch für den Menschen gelten.

Hungern für ein langes Leben ?

Eine zweite Studie eines Forscherteams der University of Southern California liefert allerdings eine weit angenehmere Lösung. „Um die Anti-Aging Vorteile zu gewinnen, muss man nicht zwangsläufig ein ganzes Leben lang hungern“, so Studienleiter und Gerontologe Dr. Valter Longo. Stattdessen würde eine Diät, die dem Fasten nahe kommt, durchaus ähnliche Erfolge erzielen. In diesem Falle müssten die Kalorien pro Monat nur fünf Tage lang reduziert werden. Die Fastendiät kann zu Beginn über einen Zeitraum von drei Monaten gehalten und anschließend, je nach Bedarf, wiederholt werden. Sicherlich eine machbare Option, um Risikofaktoren von altersbedingten Krankheiten zu minimieren.

Kritik an der Kalorienreduktion

Einige Forscher stehen dem neuen Anti-Aging Wunder allerdings noch skeptisch gegenüber. So bezeichnet Dr. Leslie Robert, Biochemikerin und Ärztin an der Universität von Paris pharmazeutische Ansätze als weit effektiver, als scheinbar schädliche Diäten. „Solange man auf eine ausbalancierte Ernährung achtet und regelmäßig Sport treibt, ist alles in Ordnung. Dennoch sollten keine extremen Maßnahmen wie das Zählen einer jeden Kalorie eingesetzt werden“, so Dr. Luigi Fontana, Forscher für Langlebigkeit an der Washington University School of Medicine. Während die konventionelle Medizin den Alterungsprozess als Kampf gegen Krebs, Herz-Kreislauf-Probleme wie auch neuronale Degenerationen sieht, verzögert die extreme Kalorienreduktion die Alterung und somit die Verwundbarkeit des Körpers. „Anstatt eine Krankheit nach der anderen zu behandeln, steht hier die zugrundeliegende Verwundbarkeit im Fokus, wodurch alle Erkrankungen auf einmal behandelt werden sollen“, so Dr. Rozalyn Anderson, Forscherin der Wisconsin Studie. Trotz ihrer Vorbehalte gegenüber der CR lobt sie die Arbeit des Forscherteams der Science Translational Medicine-Studie. In dieser Studie folgten Testpersonen einer sorgfältig ausgeklügelten Diät, die nur 50 % der Kalorien enthielt. Insgesamt nahmen die Studienteilnehmer am ersten Tag etwa 1.100 Kalorien, und an den folgenden vier Tagen nur 700 Kalorien zu sich. Anschließend aßen sie für den Rest des Monats was immer sie wollten.

Fasten statt Hungern !

Laut Forschern hängt der Anti-Aging Effekt aber nicht so sehr vom tatsächlichen Fasten ab, als von dem anschließenden Erholungsphase. Im Gegensatz dazu würde eine langfristige, ununterbrochene Kalorienreduktion negative Auswirkungen mit sich bringen, die von extremen Fällen wie Anorexie bekannt sind. Bei der untersuchten Fasten-Diät handelt es sich hingegen um eine 100 % pflanzliche Ernährung die sowohl Gemüse, Energieriegel, als auch Mineral- und Vitaminpräparate vorsieht. „Zudem enthielt die Diät Nährstoffe, welche die am Alterungsprozess beteiligten Gene manipulieren“, so Dr. Valter Longo. Dennoch blieb auch diese Ditätvariante für viele Menschen schlicht ein Ding der Unmöglichkeit und führte zu einer Dropout Rate von etwa 25 %. Wer die Kalorienreduktion durchsteht, kann sich allerdings über einige Vorteile freuen. Denn bereits nach dem dritten Monat wiesen die Teilnehmer eine verminderte Körpermasse und bessere Werte von Glukose, Triglyceride und Cholesterin im Blut auf. Diese positiven Veränderungen hielten auch nachdem die Studienteilnehmer wieder zur gewohnten Ernährung zurückgekehrt waren, weitere 3 Monate lang an. Ob diese Ernährungsumstellung aber wirklich ein längeres Leben schenkt, ist bislang unklar. Denn die Langlebigkeit beim Menschen hängt zu einem Großteil von der individuellen Biologie, dem Lebensstil und der Lebensumstände ab – und die können nicht mit einer bloßen Kalorienreduktion beeinflusst werden.