Familie

Studie: Sind Erstgeborene wirklich klüger ?

Haben Erstgeborene wirklich einen Vorteil gegenüber ihren jüngeren Geschwistern ? /Bild: Fotolia
Studie: Sind Erstgeborene wirklich klüger ?
Catharina Kaiser

Das Leben mit Geschwistern kann schon mal anstrengend sein, besonders wenn es um die kleinen Rivalitäten und Sticheleien geht. Von den älteren Geschwistern wird man gehänselt, von den Kleinen hin und wieder genervt. Dass die Erstgebornen besonders gerne angeben ist ebenso keine Seltenheit. Doch wie sich herausstellt sind sie dabei auch im Vorteil – Studien der University of Edinburgh ergaben, dass Erstgeborene tatsächlich klüger sind als ihre kleinen Geschwister. Die Gründe dafür sind aber weit komplexer als gedacht:

Aufmerksamkeit & mentale Stimulationen

Studien zufolge besitzen Erstgeborene oft ein viel besseres Denkvermögen und haben auch bei IQ-Tests punktetechnisch die Nase vorn. Warum? Weil das erste Kind im Allgemeinen mehr mentale Stimulationen von den Eltern bekommt als die nachfolgenden Geschwister. Das liegt vor allem daran, dass Eltern ihrem ersten Kind die volle Aufmerksamkeit schenken können, während sie diese bei zwei oder mehr Kindern aufteilen müssen. Zwar ist das bereits ein wichtiger Aspekt für die geistige Entwicklung des Kindes, doch es sind noch weit mehr Faktoren daran beteiligt. Unterschiede in der Art und Weise wie Menschen aufgrund ihrer Geburtenanordnung im Leben zurecht kommen wurden bereits von einigen Studien analysiert. Nun kommen allerdings ein paar völlig neue Erkenntnisse hinzu.

Erstgeborene liegen vorne 

Ökonomen der University of Edinburgh sowie der University of Sydney untersuchten für ihre Studie die Daten von knapp 5.000 Kindern, die vom US-Bureau of Labor Statistics gesammelt wurden. Die Altersspanne der Kinder reichte von vor der Geburt bis zum 14. Lebensjahr. Um Entwicklungen des Lese- und Bildvokabular zu untersuchen, führten die Forscher alle zwei Jahre Tests durch. Dabei stellte sich heraus, dass Erstgeborne ihren jüngeren Geschwistern bei IQ-Tests deutlich überlegen sind – und das bereits ab dem ersten Lebensjahr. Obwohl die Geschwister unter denselben Umständen und mit derselben emotionalen Zuneigung der Eltern aufwuchsen, schienen Erstgeborene mit einer überlegenen Denkfähigkeit ausgestattet zu sein.

Der Birth-Order-Effect

Der sogenannte Birth Order Effekt, so die wissenschaftliche Bezeichnung, beschreibt das Phänomen dass Erstgeborene eine bessere Ausbildung erhalten und später auch mehr verdienen als ihre Geschwister. Doch die Meinungen der Forscher scheinen hierbei ziemlich auseinander zu gehen und so existieren inzwischen sowohl unterstützende Studien als auch herbe Kritiken. Eine 2015 veröffentlichte Untersuchung der Universität Leipzig ergab, dass die Geburtenfolge zwar keinen Einfluss auf die Persönlichkeit, sehr wohl aber auf die Intelligenz des jeweiligen Kindes habe. Allerdings kam die Studie der Universität von Illinois zu einem anderen Ergebnis. Hier vergleichen die Forscher Daten von 377.000 Hochschullehrern, konnten aber keinen wirklichen Effekt der Geburtenreihenfolge auf den IQ entdecken. Unterdessen sind norwegische Epidemiologen davon überzeugt, die Reihenfolge habe einen direkten Effekt auf den IQ, der abnehme je mehr ältere Geschwister ein Kind habe.

Auch jüngere Geschwister profitieren

Wenn es allerdings darum geht, wie familiäre Strukturen das spätere Leben prägen, so scheinen auch die jungen Geschwister zu profitieren. Ein Gegenbeispiel zum „Erstgeborene können alles besser“ Szenario zeigt, dass die Position in der Geburtenabfolge einen wichtigen Teil zum späteren Erfolg der Kinder beiträgt. Einer 2015 veröffentlichten Studie der University of Essex zufolge haben die Anstrengungen und Erfolge der Erstgeborenen nämlich einen positiven Einfluss auf die jüngeren Geschwister. Sie übernehmen sozusagen im wahrsten Sinne eine Vorbildfunktion. Im Erwachsenenalter scheinen dennoch die großen Geschwister den Vorteil zu haben und besonders qualifiziert zu sein – vor allem wenn es sich beim Erstgeborenen um ein Mädchen handelt. Eine Umfrage der USA TODAY bestätigt zudem, dass von 155 CEOs etwa 59 % das Erstgeborene, 23 % das mittlere und nur 18 % das jüngste Kind waren.

Letzten Endes konnte die Wissenschaft bislang also noch keine klare Antwort liefern, ob Erstgeborene im Vergleich zu ihren jüngeren Geschwistern nun tatsächlich intelligenter und erfolgreicher sind. Schließlich ist das auch immer eine Sache der Familie – und keinesfalls eine Allgemein gültige Angelegenheit!